1. Zum Begriff
Kooperation gestaltet sich als sozialer Prozess.
Im Rahmen einer Gruppe wird ein gemeinsam anerkanntes Ziel durch planmäßige Interaktion /Kommunikation angestrebt. Durch das gemeinsame Interesse (Sache) und das gemeinsame Ziel besteht die Notwendigkeit der Kooperation.
Gemeinsame
Notwendigkeit der planmäßige
Zielvorstellung Kooperation Interaktion
Mit dieser Begriffsbestimmung sind eine Reihe inhaltlicher Festlegungen ausgeschlossen und abgegrenzt zu Begriffen wie Partnerschaft, Solidarität oder Team:
- Kooperation beinhaltet nicht notwendigerweise Harmonie und Übereinstimmung in wesentlichen Wertorientierungen - wie in einer Partnerschaft.
- Kooperation beinhaltet nicht notwendigerweise ein gemeinsames Handeln aufgrund gemeinsamer Wertorientierung zugunsten "Schwächerer" - wie bei der Solidarität.
- Kooperation beinhaltet nicht notwendigerweise eine größere Wirksamkeit von Einzelarbeit zugunsten von Aufgaben, die gemeinsam ökonomischer zu lösen wären - wie bei der Teamarbeit.
Erscheinungsformen der Kooperation:
- Kooperation führt arbeitsteilige Leistungen zu einer Gesamtleistung zusammen,
- Kooperation ermöglicht gegenseitige Anregung,
- Kooperation kann zu gegenseitiger Hilfe führen,
- Kooperation kann ermutigen.
Drei Feststellungen:
a) Kooperation ist erlernbar.
b) Das erlernen kooperativen Verhaltens ist altersabhängig.
c) Kooperation kann nur in Gruppen erlernt werden.
Im Hinblick auf ein Förderprogramm zur Kooperationsfähigkeit sind drei unterschiedliche Einflussgrößen zu beachten:
a) Persönlichkeitsfaktoren
b) Aufgabenfaktoren
c) Gruppenfaktoren (s.u. Seite 3)
(vgl. Hilscher, Hans: Zusammenarbeit fördern. In: Hilscher, Hans: Du und ich - ihr und wir. Agentur Dieck, Heinsberg 1987)
Kooperationsmodelle:
- klar gestaffelte Machtstruktur
- Weisung von oben nach unten
- Kontakt nur zum Ranghöheren bzw. -niedrigeren
- keine Zusammenarbeit
Modell 2:
- klare Machtstruktur im Sinne des Frontalunterrichts
- Weisung von oben nach unten
- Kontakt nur zwischen Lehrkraft und Schüler
- keine wirkliche Zusammenarbeit
Modell 3:
- Machtstruktur im Sinne der Gruppenarbeit
- Weisung/Austausch von Lehrkraft zu Gruppensprechern
- Kontakt zwischen Gruppenmitgliedern
- Zusammenarbeit zwischen Gruppenmitgliedern,
die jedoch nicht alle gleichberechtigt sind.
- keine erkennbare Machtstruktur
- Austausch/Kontakt aller Gruppenmitglieder untereinander
- echte Zusammenarbeit Gleichberechtiger
2. Teilkompetenzen von Kooperation
Sache
Teilaufgaben Arbeitseinteilung
identifizieren
sachgerecht
vornehmen
Person Gruppe
- Ich – Identität - Kontakt - Konflikte gewaltfrei
- eigene Bedürfnisse und Gefühle steuern aufnehmen & und gemeinsam lösen
- eigene Interessen artikulieren aufrechterhalten - mit anderen reden und Kommu-
- flexibel denken und handeln - fremde Bedürfnisse nikationsangebote anderer verstehen
- selbstständig und selbstbewusst handeln & Gefühle erkennen - Kompromisse finden
- Enttäuschung und Misserfolg ertragen - Interessen anderer wahr- und einhalten
- sich verweigern können nehmen & berücksichtigen - Absprachen treffen
- Schwächen und Stärken erkennen, - Verhalten anderer ein- - Ziele gemeinsam setzen, anstreben
benennen und akzeptieren schätzen & akzeptieren und realisieren
- Behinderungsbewältigung - Denken & Handeln anderer - gemeinsame Regeln einhalten
- Fähigkeit von Gruppenmitgliedern angemessen beurteilen
einschätzen - andere unterstützen benötigte
& stärken Kriterien
festlegen
Ergebnisse benötigte Handlungskompetenzen
beurteilen und kritisieren einsetzen
1. Ist das Kind in die Klassengemeinschaft integriert ?
2. Mit wievielen und mit welchen Kindern kann das Kind kooperieren ?
- Kann das Kind anderen helfen ?
3. Kann sich das Kind an Regeln halten ?
4. Kann das Kind mit anderen Kindern zusammen spielen ?
§ Spielt das Kind vor allem mit stärkeren, schwächeren, älteren oder jüngeren Kindern ?
§ Spielt das Kind auch mit weniger beliebten Kindern ?
5. Kann das Kind mit anderen Kindern zusammen arbeiten ?
§ erkennt, übernimmt und führt es Teilaufgaben durch ?
6. Akzeptiert das Kind sein Gegenüber und/oder andere Positionen?
§ zeigt es Kompromissbereitschaft ?
4. Fachspezifische Aspekte (Körperbehindertenpädagogik)
Identität |
Umfeld |
Grundkompetenzen |
Schülerschaft |
Selbstbild · Fremdwahr- nehmung · Selbstwahr-nehmung · Reflexion der Selbst- und Fremdwahr- nehmung
Selbstkontrolle · Bedürfnissteuerung · Beharrlichkeit
Selbstständigkeit · Eigeninitiative · Selbsttätigkeit
Empathiefähigkeit |
Soziale Erfahrungen · Isolation · Behütung/Über-behütung · Ablehnung
Erfahrungen · Fremdbestimmung |
Kommunikation · Interessen artikulieren · Sprechvermögen · Sprachvermögen · Hilfsmittel (z.B. Talker)
Sozialverhalten · Kontakt aufnehmen und aufrecht erhalten · Spielverhalten · Freundschaften · Zurückhaltung · Regelbewusstsein · Interessen anderer wahrnehmen
Kognition · Flexibel denken und handeln · Teilaufgaben identifizieren · Arbeitseinteilung sachgerecht wahrnehmen
Methode · Handlungskompetenz zur Bewältigung gemeinsamer Aufgaben einsetzen |
Heterogen · Behinderungsbild · Kognition · Sprache
Hilfsmittel · Rolli
Aktivität eingeschränkt |
Heuer, G.-U.: Beurteilen Beraten Fördern – Materialien zur Diagnose, Therapie und Bericht-/Gutachtenerstellung bei Lern-, Sprach- und Verhaltens-auffälligkeiten in Vor-, Grund- und Sonderschulen, Verlag Modernes Lernen, Dortmund1997
Hilscher, H. (Hrsg.): Du und ich – Ihr und wir. Konkrete Arbeitshilfen für die soziale Erziehung. Heidelberg 1987
Lohre, W. / Klippert, H.: Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur, Gütersloh, 1999
Klibisch, U.: Kooperation und Werthaltung, - Interaktionsspiele und Infos für Jugendliche, Mühlheim 1995
Klippert, H.: Teamentwicklung im Klassenraum – Übungsbausteine für den Unterricht, Weinheim und Basel, 2., unveränderte Auflage 1999